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Vorwort Vulkane

Feuer, Wasser, Wind und Wolken
Sie möchten über Italiens Vulkane wandern und dabei vielleicht sehen, hören, fühlen wie ein solcher Berg explodiert? Wie der Boden unter den Füßen bebt? Wie glühende Teile unserer Erde in weiten Bögen in einen tiefschwarzen Nachthimmel hinaufkatapultiert werden, bis sie der Schwerkraft unterliegen und von Pfeiftönen begleitet zurückkehren, um in Kraternähe auszuglühen und zu verlöschen? Ich warne Sie eindringlichst: Spätestens auf dem Feuer speienden Berg Stromboli oder an einem der glühenden Lavaabflüsse des Ätna auf Sizilien werden Sie diesem Schauspiel verfallen, wie der Trinker der Flasche oder der Spieler dem “Rien ne va plus” – und das vielleicht für immer! Ich war rund einhundert Mal auf dem Gipfel des Stromboli, gelegentlich auf dem “schlafenden Vulkan” Vesuv und oft in der “heißen Zone” des Ätna auf Sizilien – aber ich bin jedes Mal aufs Neue fasziniert und weit davon entfernt, das Geheimnis dieser Berge zu kennen und das “Mysterium Vulkan” wirklich zu begreifen.

Lassen Sie mich zunächst einfach einmal schwärmen: Feuer, Wasser, Wind und Wolken sind eine ungewöhnliche Verbindung. Einer der wenigen Plätze in Europa, an dem wir all diesen Elementen in gelungener Kombination begegnen können, liegt im Süden, in den Bereichen des Tyrrhenischen und des Ionischen Meeres oder geografisch präziser: zwischen der kleinen Hafenstadt Pozzuoli, dem Golf von Neapel und der Südostseite der Mittelmeerinsel Sizilien. Für das Feuer dort sorgen die aktiven Vulkane Italiens, das Wasser ist seit Millionen von Jahren vorhanden, es wogt unablässig hin und her, die Wolken darüber segeln oft in sonderbarsten Formationen, und für kräftige Bewegung in der Luft sorgt von Zeit zu Zeit Aiolos, der “Gott der Winde”, von dem später noch ein paar Mal die Rede sein soll.

Man kann als Reisender jene klassisch-berühmte Vulkantour vom Vesuv bei Neapel über den Feuerberg Stromboli und seine sechs vulkanischen Schwestern Panarea, Lipari, Salina, Alicudi, Filicudi und Vulcano bis zum Ätna auf Sizilien auf verschiedenste Weise bestreiten: als eine gebuchte (meist teure) Gruppenreise mit Reisebegleitung und in gemischter Gesellschaft, als ein kleines Team, individuell zu zweit oder auch allein.

Wie auch immer man es anpackt: Die Faszination dieser Reise entlang der aktiven und erloschenen Vulkane der Regionen Kampanien und Sizilien liegt in der Vielfalt. Etwa 4 Millionen Menschen am Golf von Neapel und rund um den Vulkan Vesuv stehen nur wenig mehr als 400 auf der Insel Stromboli entgegen; ein heißes, blubberndes Schlammloch im alten Krater des Vulkans Solfatara bei Pozzuoli misst sich mit dem – gelegentlich auch eisig-windigen – Dreitausender Ätna, und der schwefelgelbe, beinahe schon neuzeitlich zu nennende Vulkan Gran Cratere auf der Insel Vulcano steht in direkter Konkurrenz mit dem rot-glühenden Feuerspucker Stromboli. Ohne jede Konkurrenz sind die Stadt Neapel, und die beiden berühmten Ausgrabungstätten Pompeji und Herculaneum, die uns auf einzigartige Weise aus der Vergangenheit und über die alles zerstörende Kraft eines Vulkans erzählen.

Goethes Exkursionen
Schon der reisende deutsche Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe, der den heute in einer ruhigen Phase befindlichen Vulkan Vesuv bei Neapel noch in Aktion gesehen hat, wusste nach seiner “Italienischen Reise” im Jahre 1787 eindrucksvoll über einen glühenden Lavastrom und über Dampf zu berichten, der aus tausend Ritzen qualmte. Vergeblich bemühte er sich zusammen mit einem einheimischen Führer einen Weg durch beißenden Schwefel-Wasserdampf zu bahnen und schilderte das später so: “Wir versuchen noch ein paar Dutzend Schritte, aber der Boden ward immer glühender; sonneverfinsternd und erstickend wirbelte ein unüberwindlicher Qualm. Der vorausgegangene Führer kehrte bald um, ergriff mich, und wir entwanden uns dem Höllenbrudel.”

Eben Beschriebenes wird man im Augenblick (und die Bewohner Neapels beten Jahr für Jahr dafür, dass es so bleibt) an den kultivierten, fruchtbaren und besiedelten Hängen und im heute touristisch erschlossenen Kraterbereich des Vesuv nicht mehr erleben, aber Goethes Schilderungen passen ohne jeden Zweifel auch dieser Tage noch zu einem Besuch in der “Schwefelgrube” Solfatara auf den Phlegräischen Feldern (Campi Flegrei) unweit von Pozzuoli oder bei einer Wanderung durch die schwefelgelben Fumarolen auf der Insel Vulcano, nördlich von Sizilien.

Meine erste Begegnung mit den Vulkanen Italiens und mit dem Vulkan Stromboli verdanke ich einem Mann, der eher Himalaya- als Vulkangeschichte geschrieben hat: dem Salzburger Extrembergsteiger Kurt Diemberger. Der nämlich hatte in seinem abenteuerlichen Buch “Gipfel und Geheimnisse” über eine nächtliche Besteigung dieses “Feuerberges” berichtet. Damals - und es ist gewiss schon mehr als vier Jahrzehnte her - stieg er mit seinen beiden noch kindlichen Töchtern Hildegard und Karen dem stets tätigen Krater dieses Vulkans entgegen. Inspiriert durch seinen Erlebnisbericht reiste ich Ende der achtziger Jahre, als ein kurzer Resturlaub anstand, und eine Fahrt in weite Ferne nicht lohnte, im Wintermonat Februar für ein paar wenige Tage zum Vulkan Stromboli. Ich war der einzige Tourist auf der Insel und folglich auch der einzige, der sich am späten Nachmittag eines traumhaft-schönen Tages von der Ortschaft San Vincenzo an der Nordostküste mit Rucksack und wetterfester Kleidung in Richtung Gipfel bewegte.

Als ich nach einem ungewöhnlichen Aufstieg und einer aufregenden Nacht am nächsten Vormittag vom Kraterrand des Stromboli bis an die Küste der Insel hinunter stieg, hatte sich meine Welt entscheidend verändert. In den folgenden Jahren kehrte ich immer wieder in den Süden Italiens zurück, allein, mit Freunden und als Reisebegleiter, um auch die anderen vulkanischen Wunder dieser Region kennen zu lernen, die großen und kleinen, die stillen und die lauten. Trotz intensiven Kennens inzwischen: bei meiner Lust diese Landschaft und ihre Farben wieder und wieder neu zu erleben ist es geblieben.

Kein Menschenleben dauert endlos, das ist eine Binsenweisheit. Doch manchmal ist es bedauerlich, dass der an Vulkanen interessierte Mensch nicht unbegrenzt weit in die Vergangenheit unserer Erde zurückblicken kann. Gelegentlich sind wir auf die Theorien unserer Wissenschaftler angewiesen, die sich oft genug uneins sind. Aber wahrscheinlich ist es in der Realität wirklich so, dass sich wissenschaftliche Erkenntnisse von Generation zu Generation ändern. Vielleicht hätte man es als ein Liebhaber vulkanischer Landschaften tatsächlich gesehen haben müssen, zeitgleich und wie bei einer Simultation im Computer, wie sich die Vulkane Italiens an der Südostküste Siziliens, am Golf von Neapel und im Thyrrenischen Meer erhoben. Keine Frage: Es ist ein langes, mit Sicherheit spannendes und unvorstellbar  grandioses Schauspiel gewesen.

Für Liebhaber der Landschaft
Ich bin kein Geologe und ich habe mich mit Erdzeitaltern nie professionell befasst. Auch habe ich Italiens Vulkane nicht studiert. Ich habe sie ganz einfach erlebt! Aus diesem Grund werde ich bei allen touristischen Informationen von Vulkan zu Vulkan, den Exkursionen in die Vergangenheit und bei den ausgewählten Wanderrouten auf und um die "Feuerberge" niemanden mit wissenschaftlich-vulkanischen Fachausdrücken bombardieren, solange es nicht unbedingt erforderlich ist. Dieser Führer ist nicht von einem Wissenschaftler geschrieben, sondern von einem Liebhaber der Vulkane Italiens. Er ist gedacht für andere Liebhaber dieser Landschaften - und für die, die es noch werden wollen. Erklärungen zu vulkanischen und geotektonischen Vorgängen sind so verfasst, dass jeder an Vulkanen interessierte Tourist sie verstehen kann. Darüber hinaus sind die wichtigsten Begriffe in einem kleinen "Vulkanologischen Glossar" stichwortartig zusammengetragen. Und wie jeder andere Reiseführer auch, hat dieser ein Konzept - und verfolgt ein Ziel. Er soll helfen, die aktiven und erloschenen Vulkane im Süden Italiens in einer zwei- bis dreiwöchigen Reise und in ihrer Einzigartigkeit mit allem "Drumherum" intensiv zu erleben. Ebenso soll er helfen, alle logistischen Klippen auf einer Fahrt zwischen der Millionenstadt Neapel, den Liparischen Inseln und dem Ätna auf Sizilien sanft zu umschiffen.

Ich wünsche eine erlebnisreiche Reise – oder wie man in Italien so schön sagt: buon viaggio.

Alle Rechte: © Rollo Steffens

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